Donnerstag, 7. März 2013

Satellite of Love

Das Universum habe ich zuletzt als zunehmend verwirrend empfunden. Es passiert viel zu viel gleichzeitig, Veränderungen im Zeitraffer, garniert mit kleinen Merkwürdigkeiten.

Früher gab es öfter mal Phasen mit merkwürdigen Zufällen, so was wie, ich will gerade jemanden anrufen, da klingelt das Telefon. Haben viele schon mal erlebt. Das nenne ich oft Gedankenradio. Aber auch Zufälle wie: Man will in Berlin zu einem Konzert. Per Mitfahrzentrale gerät man in einen uralten Mercedes voller schräger Gestalten und singt gemeinsam "Satellite of Love" von Lou Reed, besonders das "Bong bong bong" im Hintergrund. Als man in Berlin einreitet, läuft einem auf einer großen Kreuzung der Sänger des Konzerts vor das Auto, wegen dem man dort ist. Aprupter Stop, der besagte Typ drückt erschrocken seine Hand auf die Motorhaube, als hätte er die Karre damit stoppen können, und verschwindet auf der anderen Straßenseite. Okay, wie bescheuert ist das denn. Wie viel Einwohner und Besucher hat Berlin, die einem stattdessen vor die Karre hätten laufen können?

Ich will sagen, das Universum ist nicht so einfach nur so Tisch-Stuhl-mäßig physikalisch vorhanden, da stecken Mechanismen und Zusammenhänge und Ebenen dahinter, von denen wir immer nur kleine Ecken aufblitzen sehen. Da kann mir jetzt gerne einer eine Paranoia bescheinigen, wenn's Euch Spaß macht, davon habe ich aber nicht weniger Recht.

Es gibt Phasen großer Umwälzungen, und wir befinden uns gerade in einer solchen. Die Kommunikation der Menschen untereinander ändert sich im Zeitraffer. Das kann Illusionen oder Irtümer hervorrufen, wie etwa, wenn wir uns nur noch über Facebook mit Menschen verbinden und denken, wir können als Pseudoschwarmwesen existieren. Wir sind keine Schwarmwesen. Wir sind Individuen, wir sind allein. Die Ebene, auf der wir alle verbunden sind, ist uns nicht direkt zugänglich, jedenfalls nicht über ein Internetportal. Es ist schön, sich an einem einsamen Arbeitsalltag als Selbstständige allein zu Hause mit anderen Witze und Songs zu schicken, aber wir dürfen nicht vergessen, dass wir uns nicht von dieser Pseudonähe einlullen lassen dürfen.

Wir müssen die Änderungen in der Welt, politische und menschliche, genau beobachten. Es ist einfach, sich hierhin zurückzuziehen, wo ich auch gerade sitze, und sich nur das herauszusuchen, was einem Spaß macht. Geht mit offenen Augen durch die Welt, bestaunt ihre Buntheit, seht das Tiefschwarze, und versucht, das alles schätzen zu lernen. Die Zufälle, die Witze auf Facebook, aber eben auch darauf zu achten, wer was in Eurer Nähe von Euch braucht.

Das war das Wort zum Sonntag. Vorsicht auf Kreuzungen.

Dienstag, 5. März 2013

Licht an, verdammte Hacke...

Ich hatte Euch ja vom Zombietrain erzählt, dieser muckelige Wagen voller Selbstzufriedenheit in heimelig-sonnengelben Licht, wo man vom Geräusch der Räder auf den Schienen so angenehm wegduselt. So kommt es mir in der Retrospektive jedenfalls vor, seit ich an dieser Station ausgestiegen bin.

Leben, ja, yeahrock'n'roll und so, aber warum immer von allem zu viel oder zu wenig? Jemand hat an der verdammten Station das Licht ausgeknipst, und ich stehe mit Herzklopfen da und denke "Nanu, war das jetzt richtig? Bin ich eigentlich verrückt, aus diesem kuscheligen Zug auszusteigen?".

Nee, ich erzähle jetzt nicht das Gegenteil von dem, was ich in "Zombietrain" gebloggt habe. Aber ich warne Euch. Gefühlschaos kann anstrengend sein, wenn man nicht weiß, wo dabei eigentlich die Reise hingehen soll. Einen Tag fühlst Du dich wie zwanzig, verarscht dich aber selbst mal wieder, weil Du längst über 40 bist und der Sensenmann mit fiesem Geräusch vor sich hinpfeifend schon den Wetzstein über die Klinge zieht. Du bist über 40, und Du wirst drei Dinge nicht mehr tun: Jemanden ganz bekloppt machen vor Verliebtheit, ein völlig neues und überraschendes Leben anfangen und die Welt mit Deiner Kunst begeistern. Leider, leider, träumst Du vielleicht genau davon, während Du an der götterverlassenen Station der Zombietrain Corporation stehst und versuchst, Deinen Mantel enger um dich zu wickeln, weil es gewaltig um die Ecken pfeift.

Dabei hast Du Freunde und eine Welt, die Du dein Zuhause nennen darfst. Wie um alles in der Welt bist Du drauf, damit nicht zufrieden zu sein? Wer glaubst Du, das Du bist? Wann hört das Herzklopfen wieder auf? Sind das alles nur Hormone?

Eine Seelenverwandte sagte mal zu mir: "Man ist niemals ganz vollständig". Wie wahr. Wie kommst Du jetzt mit all den neu gewonnenen Erkenntnissen und Gefühlen klar?

Keine Ahnung, man. Ich denke, es geht ums Überleben, das haben wir über die Bildschirmdiagonale unserer Flachbildschirme vergessen. Mir wird das bestimmt gelingen, aber ich hatte vergessen, wie holprig die Reise sein kann. Gute Fahrt.