Dienstag, 22. Oktober 2013

Aktion, Reaktion, Funktion oder: Das Let It Be-Prinzip

Tief unter meiner komplizierten Schale bin ich ein einfacher Mensch. Ich weiß Einfachheit zu schätzen. Daher mag ich technische Dinge, da geht es um das Funktionsprinzip: Eine Kraft wird investiert, in eine Maschine mit einer Funktion gesteckt, und das Ergebnis ist gewollt und bekannt. Sehr entspannend. Diese Maschinen werden zu bestimmten Zwecken gebaut, die dann jeder kennt. Wenn sie mal kaputt sind, kann man sie reparieren oder ersetzen, und schon gibt es wieder das gewollte Resultat.

Im Leben passieren aber oftmals Dinge, die diesem Funktionsprinzip gar nicht zu entsprechen scheinen. Unlogische, doofe, sinnlose Dinge. Oder, noch schrecklicher, komplett bedeutungslose Dinge.

Es könnte dir zum Beispiel passieren, dass du eine Person triffst, bei der du dir sicher bist, dass du sie aus einem früheren Leben kennst. Das muss doch was bedeuten? Da gibt es doch eine Botschaft vom Universum, eine gemeinsame Aufgabe?

Du hast zu viele amerikanische Spielfilme gesehen. Das kann passieren und garnix heißen. Oder vielleicht verliebst du dich in irgendwen und denkst: Herrje, was'n jetzt? Da stimmte wohl irgendwas nicht mit meinem Leben, da muss ich alles umschmeißen? Was will das Schicksal mir damit sagen?

Oder man erhält irgendein Wissen oder einen Gegenstand, den/das man für sich nützen könnte oder oder oder. Das "Schicksal" (fette Anführungszeichen) hat dir einen Ball zugespielt, das hat eine Bedeutung, und du musst reagieren. LOS!

Oder nämlich nicht. Ich halte es inzwischen durchaus für möglich, dass ein weiser Mann namens John Lennon recht hatte, der meinte: "Let it be". Lass es sein, wie es ist. Und gut.

Aber das ist hart. man will eine Beduetung in den Dingen sehen, die passieren, da sie ja auch so besonders wirken. Uuuh, geheimnisvoll, schicksalhaft, dramatisch, und nach dem Tääätäää! ist das Spotlight auf dich gerichtet und du sitzt da wie das sprichwörtliche Kaninchen und denkst: "???".

Dann beginnt das Interpretieren, das Gedankenkreiseln, das Abchecken der Optionen. Und es kommt nur Scheiße bei raus. Keine Message, keinen tollen Lösungen - und: Keine Bedeutung. Schlimm, ne? Es erfordert einen große Willensanstrengung, etwas einfach als gegeben zu akzeptieren und daran nicht herumzudoktorn, keine Konsequenzen zu ziehen. Nämlich dann, wenn alle Signale auf Rot stehen, und alles in deinem Kopf dir zuruft: Nö, las mal, alles Sackgassen. Bleib, wo du bist, let it be. Kein einfaches Funktionsprinzip, einfach ein blöder Zufall, wie es ihn wahrscheinlich millionenfach gibt. Schicksal ist eine Erfindung von Schnulzensängern aus den Fünfzigern!

Das ist eine weitere Lernstunde des Universums: Akzeptieren, das etwas, was dir wichtig erscheint, bedeutunglos ist und keine Handlungen und Ideen dich da weiter oder raus bringen.

Der erleuchtete Prinz Siddartha aka Buddha hat sich da bestimmt schon mal einen Kopf drum gemacht, vielleicht sollten wir da mal nachlesen. Bis dahin: Schalten Sie auch nächstes Mal wieder ein, wenn es heißt: "Schicksal? Geh mir vom Hals mit dem Mist".