Vor 20 Jahren, nee vor 25 Jahren, als meine Haare länger und mit dem billigen Blauschwarz aus der Kaufhalle gefärbt waren, waren Dead Can Dance schon eine Legende. Ich bin jetzt nicht Wikipedia und versuche, den Musikstil auch nur ansatzweise zu definieren.
Sagen wir mal so: Man kennt sie nicht oder liebt sie. Bei mir ist es letzteres. Ein Konzert von denen zu besuchen verpasste ich aber so lange, bis es sie nicht mehr gab. Jetzt touren Sie wieder.
Wie Lisa Gerrard und Brendan Perry aussehen, war mir weder bewußt noch spielte es eine Rolle. Brendan Perry hätte mir ein australisches Telefonbuch vorlesen können, ich hätte nur schweigend in Anbetungshaltung vor ihm gelegen und dieser unendlich tiefen Stimme gelauscht. Lisa Gerrard hat eine noch unglaublichere Stimme, die keinesfalls irgendwie irdischen Ursprungs sein kann.
Jetzt trug es sich aber zu, dass die beiden eine Deutschlandtournee planten und ich endlich mal rechtzeitig davon erfuhr. Die Karten wurden freigegeben und im Minutentakt weggebucht, götterseidank konnte ich rechtzeitig mit meinen beiden alten Freunden F. und B. kommunizieren, die auch bereit waren, 70 Schleifen zu investieren, um die Legenden mal live zu sehen.
Am 8. Oktober 2012 war es soweit, und fuhr mit meinen beiden Freunden nach Köln. Da saßen wir nun in der Philharmonie auf unseren teuren Plätzen und redeten uns ein, wenn uns die Livemusik enttäuschen würde, hätten wir die beiden wenigstens mal gesehen und das sei es dann schon wert.
Enttäuscht? Pffff. Schon am Anfang des Sets lagen wir wie willenloses Gelee in den Sitzen. Der Sound (die zwei plus 5 Musiker) war klasse, "Rakim" mit dem tollen Instrument Yanquin) ließ mich schon glüclklich grinsen, aber der Hammer war Lisas Stimme. Die blonde Erscheinung in schwarz-güldenen Umhang wurde fortan von mir nur "das Wesen" genannt. Wenn das Wesen sang, schickte sie unglaubliche Emotionswellen durch mich hindurch. Ich musste die Augen schließen. Der Höhepunkt waren "Sanvean" und "Host of Seraphim". Ich war gleichzeitig unglaublich traurig und glücklich. Ein Seitenblick auf meine Freunde zeigte, dass auch sie in einer Sphäre weit, weit über der Erde weilten. Ihre Körper lagen derweil verlassen in den Sitzen der Kölner Philharmonie.
Wir alle drei, gestandene Menschen mit zynischen Sprüchen und zweifelhaftem Ruf, hatten geheult. (Merke: Niemals ohne Tempos zu Dead Can Dance). Mitten unter anderen, fremden Menschen, während uns die Musik von DCD und die Stimme des Wesens durch Zeit und Raum trugen.
Boah, wie schwülstig.
Wenns aber doch so war...
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