Das Universum habe ich zuletzt als zunehmend verwirrend empfunden. Es passiert viel zu viel gleichzeitig, Veränderungen im Zeitraffer, garniert mit kleinen Merkwürdigkeiten.
Früher gab es öfter mal Phasen mit merkwürdigen Zufällen, so was wie, ich will gerade jemanden anrufen, da klingelt das Telefon. Haben viele schon mal erlebt. Das nenne ich oft Gedankenradio. Aber auch Zufälle wie: Man will in Berlin zu einem Konzert. Per Mitfahrzentrale gerät man in einen uralten Mercedes voller schräger Gestalten und singt gemeinsam "Satellite of Love" von Lou Reed, besonders das "Bong bong bong" im Hintergrund. Als man in Berlin einreitet, läuft einem auf einer großen Kreuzung der Sänger des Konzerts vor das Auto, wegen dem man dort ist. Aprupter Stop, der besagte Typ drückt erschrocken seine Hand auf die Motorhaube, als hätte er die Karre damit stoppen können, und verschwindet auf der anderen Straßenseite. Okay, wie bescheuert ist das denn. Wie viel Einwohner und Besucher hat Berlin, die einem stattdessen vor die Karre hätten laufen können?
Ich will sagen, das Universum ist nicht so einfach nur so Tisch-Stuhl-mäßig physikalisch vorhanden, da stecken Mechanismen und Zusammenhänge und Ebenen dahinter, von denen wir immer nur kleine Ecken aufblitzen sehen. Da kann mir jetzt gerne einer eine Paranoia bescheinigen, wenn's Euch Spaß macht, davon habe ich aber nicht weniger Recht.
Es gibt Phasen großer Umwälzungen, und wir befinden uns gerade in einer solchen. Die Kommunikation der Menschen untereinander ändert sich im Zeitraffer. Das kann Illusionen oder Irtümer hervorrufen, wie etwa, wenn wir uns nur noch über Facebook mit Menschen verbinden und denken, wir können als Pseudoschwarmwesen existieren. Wir sind keine Schwarmwesen. Wir sind Individuen, wir sind allein. Die Ebene, auf der wir alle verbunden sind, ist uns nicht direkt zugänglich, jedenfalls nicht über ein Internetportal. Es ist schön, sich an einem einsamen Arbeitsalltag als Selbstständige allein zu Hause mit anderen Witze und Songs zu schicken, aber wir dürfen nicht vergessen, dass wir uns nicht von dieser Pseudonähe einlullen lassen dürfen.
Wir müssen die Änderungen in der Welt, politische und menschliche, genau beobachten. Es ist einfach, sich hierhin zurückzuziehen, wo ich auch gerade sitze, und sich nur das herauszusuchen, was einem Spaß macht. Geht mit offenen Augen durch die Welt, bestaunt ihre Buntheit, seht das Tiefschwarze, und versucht, das alles schätzen zu lernen. Die Zufälle, die Witze auf Facebook, aber eben auch darauf zu achten, wer was in Eurer Nähe von Euch braucht.
Das war das Wort zum Sonntag. Vorsicht auf Kreuzungen.
Kreuzung? Zwei Straßen treffen aufeinander! Kniet mit mir, dies seltene Glück zu preisen!
AntwortenLöschenDenn wenn wir vergessen, rechts und links zu schauen, und auch den Gegenverkehr ignorieren, schläft unser Gehirn ein, und da ist er wieder, der Zombietrain. Hat schon Gründe, warum es ein Zug ist, und kein Autobus. Bei Schienen gibt es ja immerhin Weichen, aber Kreuzungen sind eigentlich noch spannender. Wenn man es aushält. Ach ich sehe schon, das ist wieder Stoff für ein nicht ganz so konspiratives Treffen...