Neulich hatte ich das Vergnügen, mit ein paar Freunden in ein kleines Theater zu gehen, um "Dracula" zu sehen. Die Schauspieler waren mir bereits größtenteils aus "Othello" bekannt.
Nun ist ja die ganze Vlad Dracul- und Vampirgeschichte nichts Neues und aus Film, Fernsehen und viel zu vielen Büchern bekannt. Der Vampir steht dabei, würde ich mal schätzen, für die dunkle, machtvolle Seite der Sexualität. Blut, Verzauberung, kleiner Tod, die Nummer.
Der männliche Vampir sollte daher sexy und bedrohlich sein, geheimnisvoll und unwiderstehlich. Ja ja, ziemlich viele Anforderungen an einen Sterblichen, aber als Vlad Dracul musse das im Business schon bringen.
Heftig für Schauspieler. Der örtliche Vampir hatte mir als Jargo in Othello gut gefallen, gemein und elegant hatte er die geschliffenen Texte vom alten Shakespeare dargebracht. Arroganz kann der. Und wie! Gemeinheit, Eleganz und Arroganz stehen auch einem Dracula gut zu Gesicht. Allerdings war dieser Schauspieler zwar hübsch anzuschauen, aber auch recht klein und irgendwie...putzig. Lange schwarze Haare und schmales Gesicht sind für meinen Geschmack nicht verkehrt und auch in Gruftkreisen gerne gesehen. Grinsen musste ich bei den kleinen hochhackigen Stiefelchen, mit denen unser Graf da über die Bühne wetzte. Auf die Gefahr hin, in irgendeiner Schublade zweifelhafter Bezeichnung zu landen - das gefiel mir. Warf ihn aber auch in seiner Bedrohlichkeit leicht zurück, wenn man, bzw Frau eher denkt: "Grrr.. die Stiefel darfste anlassen", anstatt "Huch, vor dem fürcht ich mich so." Gary Oldman, also wenn der verstrahlt über die blaue Sonnenbrille linste, da ging einem echt der Arsch auf Grundeis. Und gleichzeitig so: Seufz.
Schauspielleistung war okay, auch wenn man den konzentrierten Blick in die Ferne, wenn er gerade keine Text hatte, dann schnell schon kannte. Arroganz 1, Geheimnisvolle Ausstrahlung 2-, Körperbau beim Ausziehen der Vampirbluse 4 mit Rücksicht auf die Eltern. Mit dem süßen Gesicht und den kleinen Stiefel aber schon eher ein Vampirluder als der Fürst der Finsternis. Aber ich will man nicht zu kritisch sein: Das Ganze war schon recht stimmig. Auch solche Vampire darf es geben.
Die anderen Schauspieler trugen ihren kleinen Meister wunderbar durch die Aufführung, klasse war der Irre, der mit sichtlicher Spielfreude agierte und der vom vorigen Stück her nicht widerzuerkennen war.
Und der Meister? Der muss uns noch beweisen, ob er was anderes kann als leicht verstrahlte, arrogante Typen. Könnte ja rein theoretisch sein, dass der so ist und gar nicht schauspielert. Aber so gemein will ich nicht denken, deswegen ist er auf Bewährung. Allein schon wegen der Stiefel.
Der Irre hat mir auch am besten gefallen. Ich habe lange überlegen müssen, bis ich ihn wiedererkannt habe. Und Draculetto wirkte doch recht zierlich gegen seine großen, stämmigen Gegner. Etwas zuuu zierlich für meinen Geschmack. Beinahe lächerlich. Ok, seine Arroganz kommt ganz gut rüber, aber ich glaube fast, du hast Recht: Der ist immer so.
AntwortenLöschen"Draculetto" - herrlich!
Löschen:))
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