Dienstag, 4. Februar 2014

Die Gefangene der Nettigkeit

Ach ja, ist doch nett, wenn man einem Freund mal einen Gefallen tun kann. Oder auch zwei. Macht doch Spaß und der freut sich so, dann freut man sich gleich mit, ne?

Der Freund, dem du all die Gefallen tust, ist charmant und lobt dich, schön für's Ego, macht ja auch Spaß, und gut für die Freundschaft ist es auch, oder?

HAAALT (Comicartiges Bremsgeräusch einfügen). Was tut er für dich, der Freund? Jetzt außer Lob verteilen wie Snacks an einen Hund. Fein gemacht... wuff!
Oh, was, er hat keine Zeit, hm, ach so, na ja, das ist natürlich wichtiger, als... ehhh.. und plötzlich stehst du da und merkst: HAHAHA! Das IST überhaupt kein Freund, das ist nur ein Bekannter, der deine Nettigkeit ausnutzt, Aufmerksamkeit in kleinen Portionen bietet und es irgendwie schafft, dass du dich zufrieden-dümmlich grinsend in das Arrangement reinschmeisst?

Ich tu es doch gern... eines Tages gibt es was zurück (ach, Freundschaft gibts jetzt nach Punktesystem auf Bestellung), bla bla bla... Ich bin da ja nicht berechnend, ich will gar nichts zurück, der kann ruhig... ne, ach so, du musst schon weg, na ja, nee, ist okay, dann tschüss.

"Die Musik ist aus, man ist immer noch da" (Fanta 4)

Wisst ihr, meine süßen Selbstlosen, die Sache ist die: Natürlich macht man für Freunde oder Fremde nicht was aus Berechnung und hält gleich die Hand auf. Aber wer stupst uns an, wenn es ein Ungleichgewicht gibt, dass sich nicht ändern wird? Wer warnt uns, wenn man sich eine Freundschaft nur ausdenkt, um sich seine eigene Doofheit schön zu reden?

Doch, man erwartet was zurück, nämlich nicht ausgenutzt zu werden, oder etwas Ehrlichkeit, oder Freundschaft. Aber genau die wird nicht gekauft und verkauft. Du hast von vornerein falsch gelegen, einen Vertrauensvorschuss gegeben. Weil du dachtest, die Person sei es das wert.

Blöd, wenn man sich dann immer mehr Ausreden ausdenken muss, wenn man zum bloßen kostenlosen Dienstleister mutiert und ein Teil von einem bereits schnallt, dass man so etwas gar nicht Freundschaft nennt. Eine Freundschaft, die man aus irgendwelchen Gründen ja so gewollt hat. Und dann musst du dir den schmerzhaften Ruck geben und mal emotional zweihundert Schritte zurückgehen.

Nee, der hat nie was versprochen, ist immer schön unverbindlich geblieben, und ist unangreifbar nett. Dann mach auch keinen Tanz, sei ebenso nett und unverbindlich und ignorier solche Leute einfach mal eine Weile. Wenn Sie's gar nicht erst merken, kannst du langsam mal die Tempos rausholen, und die Illusionen auf gaaanz große Kreuzfahrt schicken, auf dass sie am Kap der großen Verarschung zerschellen mögen. Kann fiese wehtun. Nee, tut erwiesenermaßen fiese weh.

Wird charmant nachgefragt und eingefordert, gaaanz lieb, dann supi-dupi-disneyvogel-lieb erklären, man hätte grad nicht so richtig Zeit. Oder einfach mal alle Finger schnell bewegen und ihn auffordern, "Stopp" zu sagen. Treffer, versenkt.

"Servidor de nadie soy" (Enrique Bunbury)



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